Chirurgie Zug Anfrage Lageplan
Chirurgie Zug
Profil Kontakt Kliniken Fachinfo Hilfsprojekt Moldawien

Medizinische Fachinformationen

Krankheitsbilder
- Gallensteinleiden
- Divertikelkrankheit
  des Dickdarms
- Dickdarm- und
  Enddarmkrebs
- Hämorrhoiden
- Sakraldermoid
- Blinddarm-
  entzündung
- Leistenbruch
- Narbenbruch
- Schilddrüsen-
  erkrankungen
- Varizen
  (Krampfadern)
- Carpaltunnel-
  Syndrom
- Sulcus-ulnaris-
  Syndrom

Operative
  Verfahren

- Laparoskopie
  (Bauchspiegelung)
- Implantierbare
  Kathetersysteme
  
(Port-a-cath)
- Vasektomie
  (Unterbindung
  beim Mann)

Leistenbruch (Leistenhernie)

Einleitung und Definition:

Der Begriff HERNIE (aus dem Griechischen: hernius „Knospe“) bezeichnet grundsätzlich den Durchtritt von Gewebe durch eine angeborene oder erworbene Öffnung. Wir sprechen auch von einem sogenannten Eingeweidebruch, der häufig im Bereiche einer angeborenen Schwachstelle (Bruchpforte) entsteht.

Schematische Darstellung einer Hernie. Quelle: www.chirurgie-ost.ch

Durch die Bruchpforte wird ein vom Bauchfell (Peritoneum) und der inneren Faszie gebildeter Bruchsack ausgestülpt, der häufig auch Eingeweide aus der Bauchhöhle enthält. Es gibt je nach Lokalisation und Entstehungsursache eine ganze Reihe von unterschiedlichen Hernien. Auf Grund ihrer Häufigkeit kommt den folgenden Hernien eine besondere Bedeutung zu: Leistenhernie, Schenkelhernie, Nabelhernie, Bauchwandhernie, Zwerchfellhernie und Narbenhernie. In den folgenden Ausführungen beschränke ich mich auf die Leistenhernie.

Verschiedene Lokalisationen von Hernien der Bauchwand

 

Leistenbruch (Inguinalhernie)

Bei diesen Hernien liegt eine Bruchpforte im Bereiche der Bauchwand der Leistenregion vor. Der Durchtritt des Samenstrangs beim Mann und des Mutterbandes der Frau durch die Muskelschichten der Bauchdecken führt hier zu einer anatomischen Schwachstelle, die zur Entstehung eines Leistenbruchs prädisponiert. Ca. 70% aller Hernien beim Mann und ca. 60% aller Hernien bei der Frau sind hier lokalisiert.

 

Schematisches Bild der Leistenregion von der Körperinnenseite
Laparoskopisches Bild der Leistenregion

Diagnose

Die Diagnose einer Leistenhernie (Leistenbruch) wird in der Regel klinisch anlässlich einer ärztlichen Untersuchung gestellt. Zusätzliche apparative Abklärungsuntersuchungen sind nur in Ausnahmefällen bei unklarer Situation notwendig. Es geht dabei insbesondere um den Ausschluss von anderen Erkrankungen, die für geäusserte Beschwerden verantwortlich sein könnten. Wenn die Situation unklar bleibt, kann eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) zweifelsfrei das Vorhandensein eines Leistenbruchs bestätigen oder ausschliessen.


 

Laparoskopische Bilder eines einseitigen (oben) und beidseitigen (unten) Leistenbruchs

Wann muss ein Leistenbruch operiert werden?

Grundsätzlich erfordert jede festgestellte Leistenhernie eine operative Sanierung. Eine effiziente, nicht-chirurgische Behandlung gibt es nicht. Verschiedene Gründe sprechen für einen operativen Verschluss der Bruchpforte:
  1. Patienten mit Leistenbrüchen klagen häufig über Beschwerden.
  2. Leistenhernien können Anlass zu schwerwiegenden Komplikationen geben. Im Vordergrund steht hier der Darmverschluss durch Einklemmung eines Dünndarmsegmentes im Bruchsack. Diese Situation erfordert immer eine Notfalloperation.
  3. Mit zunehmendem Alter nehmen Leistenhernien eher an Grösse zu, was die operative Versorgung nicht einfacher gestaltet.

Was darf der Patient von einer Leistenbruchoperation erwarten?

Von einer Leistenbruchoperation erwartet der Patient heute:
  • Eine geringe Komplikationsrate
  • Eine geringe Rezidivrate (Wiederauftreten eines Leistenbruchs nach einer Operation)
  • Eine kurze und angenehme Erholungszeit mit rascher Wiederherstellung der Arbeits- und Sportfähigkeit
  • Ein vernünftiges Kosten-/Nutzenverhältnis

Was gibt es für Operationsmethoden?

Es stehen heute verschiedene Operationstechniken zur Verfügung. Wir legen grossen Wert auf eine individualisierte Hernienbehandlung, die die folgenden Faktoren berücksichtigt: Typ des Leistenbruchs, Einseitigkeit oder Doppelseitigkeit, neu aufgetretener Leistenbruch oder Rezidivleistenbruch (wiederaufgetretener Bruch nach einer früheren Operation), Alter und Geschlecht des Patienten, Belastung durch Beruf und Sport sowie allfällige Begleitkrankheiten.

Im Vordergrund stehen heute so genannte spannungsfreie Operationstechniken mit oder ohne Anwendung eines Kunststoffnetzes, das heute meist aus Prolen besteht. Das Netz dient der zusätzlichen Verstärkung der Bauchwand im Rahmen des Bruchpfortenverschlusses. Die heute zur Verfügung stehenden Netze sind von geschmeidiger Konsistenz und von grösstmöglicher Verträglichkeit für den Patienten.

Folgende Operationsverfahren haben sich bewährt:

  1. Reiner Verschluss des Bruchsacks
    Diese Operation kommt bei Kleinkindern und Kindern zur Anwendung. Es wird nur der Bruchsack verschlossen. Auf eine zusätzliche Massnahme im Bereiche der Bauchdecke wird verzichtet.
  2. Operation nach Shouldice
    Die Bruchpforte wird mit körpereigenem Gewebe verschlossen. Auf ein Netz wird verzichtet. Die Operation eignet sich vorwiegend für jüngere, schlanke Patienten mit kräftigem Gewebe und insbesondere auch Frauen.


     
  3. Operation nach Lichtenstein
    Die Bruchpforte wird mit einem Kunststoffnetz verschlossen, das von vorne durch einen konventionellen Hautschnitt eingenäht wird. Es ist eine sichere Operationsmethode, die vorwiegend bei Patienten über ca. 40 Jahren, bei übergewichtigen Patienten und bei Patienten mit Begleiterkrankungen zur Anwendung kommt.


     
  4. Laparoskopische Hernienoperation (TAPP= transabdominale präperitoneale Plastik)
    Bei dieser Operation wird via Laparoskopie vom Bauchraum her die Bruchpforte mit einem Kunststoffnetz verschlossen. Die Methode gestattet eine praktisch unverzügliche Wiederaufnahme der körperlichen Aktivität, da das Netz von innen her an die Bruchpforte gedrückt wird. Die Methode kennzeichnet sich zusätzlich aus durch geringe postoperative Beschwerden sowie durch wenig lokale Leistenschmerzen im weiteren Verlauf. Die Methode eignet sich insbesondere für Patienten im mittleren Lebensalter, bei grösserer körperlicher Belastung, bei beidseitigen Leistenbrüchen und bei Rezidivleistenbrüchen. Ein Nachteil der Methode besteht darin, dass selten beobachtete Komplikationen sich im Bauchraum abspielen können, was für den Patienten mit ernsten Konsequenzen verbunden sein kann. Ingesamt handelt es sich aber um ein sehr patientenfreundliches Verfahren mit ausgezeichneten Resultaten.

Eröffnen des Bauchfells (Peritoneum). "Bilden einer Tasche" und Rückverlagerung des Bruchsacks gegen den Bauchraum.

Einführen eines zusammengerollten Netzes in den Bauchraum. Das Netz wird anschliessend "in die vorbereitete Tasche" gelegt und mit Klammern oder mit einem Bioklebstoff fixiert.

 

Verschliessen des Bauchfells (Peritoneum) über dem eingelegten Netz durch eine Naht oder durch Klammern.

 

Durchführung der Leistenbruchoperation

Wie oben erwähnt, streben wir heute bei der Wahl der Operationsmethode eine möglichst weitgehende Berücksichtigung der Patientenbedürfnisse an.

Unabhängig von der gewählten Operationstechnik wird der Eingriff normalerweise in einer kurzen Hospitalisation (3 – 4 Tag) oder in ausgewählten Fällen auch als ambulanter Eingriff durchgeführt. Als Anästhesieverfahren kommt je nach Wunsch des Patienten eine Teilnarkose (betrifft nur die untere Körperhälfte) oder eine Allgemeinnarkose in Frage. Die Arbeitsunfähigkeit beträgt je nach beruflicher Tätigkeit und entsprechender körperlicher Belastung 10 – 14 Tage (in speziellen Fällen bis 3 Wochen) falls keine Komplikationen auftreten. Die Sportfähigkeit ist in der Regel nach 2 - 3 Wochen wiederhergestellt.

Zusammenfassend streben wir für jeden Patienten eine für ihn optimale Operationstechnik an. Wir berücksichtigen dabei medizinische Kriterien und selbstverständlich auch die individuellen Wünsche und Bedürfnisse unserer Patienten. Alle Leistenbruchoperationen zeichnen sich heute durch eine geringe Komplikationsrate, eine geringe Rezidivrate und eine kurze und angenehme Erholungszeit mit rascher Wiederherstellung der Arbeits- und Sportfähigkeit aus.